Vorwärts in die Barbarei

Burschenschaften, Corps und Verbindungen in der Weimarer Republik

Nach der erfolgreichen Niederschlagung der deutschen Barbarei durch die alliierten Streitkräfte und die Rote Armee, begannen die eben noch einen Völkermord verübenden Deutschen schnellst möglich sich als Opfer zu stilisieren. Schnell waren die SS-Uniformen vergraben, der Nationalsozialismus als etwas dargestellt das aus dem Nichts kam und keinen Vorlauf hatte. Ganz vorne mit dabei waren die Burschenschaften, Corps und Verbindungen, die sich öffentlich als erste Opfer des Nationalsozialismus darstellten und diesen Mythos bis heute aufrecht erhalten. Ein Blick in die tatsächliche Geschichte dieser Gruppen zeigt allerdings ein ganz anderes Bild.

Die Deutsche Burschenschaft (DB), einer der Dachverbände der Burschenschaften, bekannte sich bereits 1920 zum Rassismus und rassistischen Antisemitismus. In ihrem Beschluss heißt es: „Die Burschenschaft steht auf dem Rassestandpunkt, deshalb dürfen nur deutsche Studenten arischer Abstammung, die sich offen zum Deutschtum bekennen, in die Burschenschaft aufgenommen werden. […] eine Heirat mit einem jüdischen oder farbigen Weib“ wird ausgeschlossen.

Auch mit dem nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) gemeinsame Sache zu machen ließ man sich nicht entgehen. In der Deutschen Studentenschaft (DSt) warben die Burschenschaften für den Antrag der Nationalsozialisten, Jüdinnen und Juden von der Hochschule auszuschließen. Öffentlich stellten sich die Burschenschaften allerdings gegen den NSDStB. Dessen Ziele und völkisch-rassistische Ideologie unterstützten sie jedoch voll, sahen allerdings ihren Alleinvertretungsanspruch gefährdet.

Überschneidungen mit den nationalsozialistischen Organisationen könnten offensichtlicher kaum sein. Nach dem SA-Verbot veröffentlichten die „Burschenschaftlichen Blätter“, Presseorgan der DB, das Bekenntnis, dass „in der SA viele Burschenschafter aus reiner Vaterlandsliebe gekämpft und für ihre Überzeugung Opfer gebracht“ hätten.

Studentische Korporationen, antisemitisch und antirepublikanisch von der ersten Sekunde an, bemühten sich auch rege um den Nationalsozialismus. Besonders bekannt ist hier das „Massaker von Mechterstädt“, auf welchem das Studentenkorps Marburg 15 Arbeiter ermordete. Doch auch in anderen Freikorps und paramilitärischen faschistischen Kontexten agierten die Burschenschaften und Studentenkorps. So beteiligten sie sich beispielsweise am Kapp-Putsch und der Niederschlagung der Münchner Räterepublik.

Schließlich schalteten sich die meisten Verbindungen bis 1936 selbst gleich, lösten sich auf und gingen in den NS-Kameradschaften auf. Die Behauptung, sie seien vom NS-Regime verboten worden, trifft bis auf lokale Ausnahmen nicht zu. Nach dem Krieg wurden sie von den Alliierten als nationalsozialistische Organisationen verboten. Da man allerdings zu Zeiten des kalten Kriegs den Antikommunismus aus dem Korporationsmilieu gut gebrauchen konnte und viele Richter und Politiker der Nachkriegszeit selbst Verbindungsmitglieder waren, wurden sie schrittweise wieder erlaubt. So wurden nach und nach die einzelnen Verbote burschenschaftlicher Praxis aufgehoben, wie etwa das Verbot sich das Gesicht gegenseitig zu zerhacken oder in antiquiert-militärischen Kostümchen rumzulaufen.

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