Angriff auf Synagoge in Bulgarien

Vergangenen Samstag wurde die Synagoge in Sofia, die Hauptstadt Bulgariens, zum Ziel eines antisemitischen Angriffs.

Am 19. Januar warf ein unbekannter Mann mit Steinen auf das Gebäude, dabei wurde ein Fenster des großen Gebetsraums zerstört. Der Angriff fand nicht nur während des Shabbats statt, sondern auch nur wenige Tage vor dem internationalen Holocaust Gedenktag am 27. Januar. „Die Sicherheit der Gemeinde ist im Moment das Wichtigste und wir werden mit der Polizei und allen relevanten Institutionen des Landes zusammenarbeiten, um diese zu garantieren“ erklärt Professor Alexander Oscar, Präsident der Organisation der Juden in Bulgarien „Schalom“.

In Bulgarien werden jüdische Einrichtungen immer wieder zum Ziel antisemitischer Angriffe, wie etwa 2017 der jüdische Teil des Friedhofs in Sofia. Dort wurden Grabsteine herausgerissen, umgeworfen und teilweise zertrümmert. Das bulgarische Außenministerium erklärte damals, dass dieser Angriff den moralischen Grundsätzen der bulgarischen Gesellschaft widersprechen würde. Die bulgarische Gesellschaft sei beispielhaft für Toleranz und Respekt. Ein Blick hinter die Fassade politischer Rhetorik offenbart allerdings ein anderes Bild.

Angriffe wie diese sind nur die Spitze des Eisbergs. Antisemitismus ist in allen Teilen der bulgarischen Bevölkerung und Institutionen zu finden. Eine Fahrt in die Wohnbezirke Sofias offenbart dies auf den ersten Blick. Die Häuserwände sind beschmiert mit nationalistischen Parolen, Hakenkreuzen und „White-Pride“ Symbolen. Auch der Fußball in Bulgarien erregt immer wieder Aufsehen durch antisemitische Vorfälle. Gerade bei Fans des Vereins „Levski Sofia“ sind Hitlergrüße, Hakenkreuze und antisemitische Parolen keine Seltenheit.

Ihren jährlichen politischen Ausdruck findet die extremste Form des Antisemitismus jeden Februar im sogenannten Lukov-Marsch. Letztes Jahr huldigten hunderte Neonazis dem nationalsozialistischen General Hristo Lukov, der als bulgarischer Kriegsminister seine Truppen als Teil der Achsenmächte im zweiten Weltkrieg befehligte.

Doch auch die staatlichen Institutionen geraten immer wieder durch antisemitische Handlungen in den Fokus der Öffentlichkeit. So zeichnete Anfang Oktober das bulgarische Verteidigungsministerium den 96-jährigen Legionär und Veteran Djanko Markov für „dignity and honor“ [Würde und Ehre] aus, für seinen „patriotischen Einsatz“ als Soldat und Bürger. Der Bund der bulgarischen nationalen Legionen war als Teil der nationalsozialistischen Bewegung ab 1920 in Bulgarien aktiv, seine Fahne ist auch heute noch mehrfach auf dem Lukov-Marsch zu sehen. Das Verteidigungsministerium ist im Moment in der Hand der Partei „IMRO – Bulgarische Nationale Bewegung“. Die Partei kämpft für ein großbulgarisches Reich und zog 2017 mit dem Wahlbündnis „Vereinigte Patrioten (VP)“ in das bulgarische Parlament ein. Als kleiner Koalitionspartner bildet sie mit der konservativen GERB die Regierung, welche Mitglied der europäischen EVP-Fraktion ist. Für einen internationalen Skandal sorgte die VP 2017, als Fotos von ihren Abgeordneten veröffentlich wurden, welche in Buchenwald und vor einem Wehrmachtspanzer den Hitlergruß zeigten.

Der Angriff auf die Synagoge Sofias reiht sich nun in diese Folge antisemitischer Angriffe und Vorfälle ein. Professor Alexander Oscar bezeichnet den Vorfall als „extrem beunruhigend, aber die komplette Abwesenheit von Reaktionen durch Passanten auf der Straße ist noch beunruhigender“.

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